Aktuelles

30. September 2015

Ein erstes Resümee

Am letzten Montag war es geschafft. Bis auf einen Teil des Reiterpfad, aus dem wir die gesunden vollreifen Trauben herausgelesen haben und die Beeren mit beginnender Edelfäule hängen ließen, haben wir die Lese beendet.Großartige Moste liegen in unserem Keller und beginnen zu gären. Es riecht fantastisch und die spannende Kombination aus Reife und präsenter Säure macht uns beim Verkosten große Freude. Die Weinlese 2015 war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Noch nie haben wir so früh und in so kurzer Zeit die Weinlese durchgeführt. Nicht dass dies ein völlig unerwarteter Trend wäre, denn die Lese wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer früher und die Notwendigkeit schlagkräftig und damit schnell zu sein hat sich auch abgezeichnet, aber im Ergebnis ist das dennoch bemerkenswert.

Doch zuerst ein kleiner Rückblick auf das Jahr. Ein wesentlicher Umstand diesen Jahrgang richtig zu verstehen, liegt ganz am Anfang des Jahres, sogar teilweise noch im Jahr 2014. Was uns im letzten Herbst Sorgen bereitete, legte den Grundstein dafür, dass uns die Sommerhitze und Trockenheit in 2015 fast gar nicht beeinträchtigten. Durch die ausgiebigen Regenfälle im Winter sind wir mit den besten Wasservorräten seit vielen Jahren in die Vegetationsperiode gestartet. Frühjahr und Frühsommer waren zwar früher als normal, aber doch nicht so außergewöhnlich. So lagen der Austrieb und die Blüte nur wenige Tage vor dem Durchschnitt der letzten Jahre. Doch dann kam der Jahrhundertsommer. Auch dieser hat jedenfalls gegenüber Jahren wie 2014, 2011, 2007 aber auch 2008, das ja als kühles Jahr gilt, keinen wesentlichen Unterschied hervorgerufen. Das zeigt uns wieder einmal plastisch, wie wichtig die Zeit nach dem Reifebeginn ist, also der Spätsommer und der frühe Herbst. Haben wir hier ein stabiles eher kühleres Wetter, dann wachsen große Weine. Regnet es in dieser Zeit häufig und ist gar noch warm dabei, dann droht eine problematische Lese.

Zum Glück lief 2015 alles nahezu perfekt. Die kurzen Regenschauer Anfang September sollten uns wohl nur zur Wachsamkeit ermahnen. Das ist gelungen. So haben wir letztlich alles genauso im Keller wie wir uns das gewünscht haben. Los ging die Lese mit den Burgundersorten. Weiß- Grau und vor allem Spätburgunder wie gemalt. Kerngesund und reif bis vollreif. Gutsriesling – 80-93° Oechsle – ebenso reif bis vollreif, da teilweise nach den Ersten und Großen Lagen gelesen, mit feiner Säure. Das Ergebnis dürfte wieder bei ca. 8g Säure im Wein und einem Alkohol um 11% liegen. Das sollte eine perfekte Kombination ergeben. Die Riesling Orts- und Lagenweine waren exakt auf dem Punkt. Reif, aber keinesfalls überreif, wie es unser Petitum ist. Genau so konnten wir die Trauben wohlbehalten nach Hause bringen. Alles über 90° und nichts über 97° Öchsle, Säuren je nach Standort im Most zwischen 7,5 und fast 10g. Das verspricht Weine voller Intensität, dabei doch kristallin und präzise. Ideale Boten ihres jeweiligen Weinbergs.

Zum Abschluss der Ernte nahm dann der Anteil der mit Botrytis befallenen Beeren doch deutlich zu. So war dann Eile angesagt, da gleichzeitig auch die Reife der noch gesunden Trauben schnell voranschritt. Fast innerhalb von Stunden änderten Mitte letzter Woche die Rieslingbeeren ihre Farbe von grüngold in ein hochfarbiges gelbgold, der Vorstufe von Braungold und Botrytris. Wir waren froh, dass nicht mehr viel hing. Beim Gedanken an unsere Kollegen in anderen Regionen, die teilweise noch gar nicht richtig begonnen hatten, beschlich uns ein schlechtes Gefühl, das unser Freude trübte. Der jetzige Goldene Oktober im September hat die Entwicklung gebremst. Wir beobachten das noch an unserem „Ausleseweinberg“ im Reiterpfad und hören allenthalben, dass es fast überall zu gelingen scheint ausgezeichnete Weine zu ernten. Das freut uns sehr und nimmt diesen Schatten von uns. Wir werden wahrscheinlich auch die allerletzten Trauben Ende dieser Woche lesen. Edelfaul und mit feinster Botrytisnote sollten diese eine schöne feine bis hochfeine Auslese ergeben. Was gibt es dann noch Negatives zu vermelden? Winzer und Bauern klagen doch so gerne…. Mir fällt im Moment nichts ein, denn auch die Quantität passt. Was will der Winzer und wohl auch der Weinfreund mehr?